Pressestimmen

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Jeannette Urzendowsky hat die Gabe, mit Schisslaweng und Schnettereteng zu beweisen, dass die Macht der Gefühle in den Liedtexten von Tucholsky, Hollaender oder Wiener ungebrochen und aktuell geblieben ist durch die Jahrzehnte”.

,,Die Chansonnette ist feine Dame, kesse Biene, Kuschelkätzchen, freches Luder. Wer das Temperamentsbündel mit Herz und Gefühl auf Berliner Brettern trifft, darf sicher sein, dass er dem Besonderen begegnet.

LOTHAR HEINKE
Der Tagesspiegel


,,Es gibt nur wenige Akteure, die ein Berliner Original so glaubhaft verkörpern können”
Der Tagesspiegel zu Chanson-Nettes Auftritt in seiner Konzertreihe ,,Zeitung auf dem Schiff”


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Genau die richtige Mischung von rotzfrech bis sentimental . . .Die Chansonette ist noch ein Geheimtipp. Aber ihre Abende sind immer ausverkauft und die Leute sind hin und weg.

ROSEMARIE STEIN
Feuilleton Ärztekammer-Magazin ,,Berliner Ärzte”


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Das 1,53 Meter kleine rothaarige Temperamentsbündel scheint die gesamte Bühne ausfüllen, wenn sie brüllt: ,Ruheee!´ Und dann ist Ruhe.”
,,Jeannette Urzendowsky steht nicht über dem Publikum oder dem jeweiligen Stück - Jeannette steckt drin. Und gibt sich hin.”

ULRICH ZANDER
Tip-Stadtmagazin


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Chanson-Nette singt nicht nur die Lieder, sie schlüpft regelrecht hinein und verleiht den alten Texten und Melodien von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Werner Richard Heymann, Rudolf Nelson und anderen eine neue Lebendigkeit. Vor ein paar Jahren hat sie noch nachgedacht, was ihr im Leben wirklich wichtig ist; da waren das Singen und Spielen plötzlich ganz weit vorn. Inzwischen hat sie gut zu tun in der Kleinkunstszene. Bereut hat sie es nicht - und ihr Publikum ebenso wenig.”

Berliner Woche



Pressestimmen zum neuen Programm ,,Neustadt, Du, ick komme”  (Premiere 12. Juli 08).

,,Chanson Nette bereichert das Kleinkunstspektrum mit einer urig-eigenen Note.
Die kesse Kleene mit dem roten Mecki-Kopp überzeugt als berlinernde Schangsong-Schnauze, wie man sie eigentlich für ausgestorben hielt.

Aber nein, da ist nichts angeschimmelt, verstaubt oder bieder nostalgisch. Claire Waldoff goes Francoise Cactus. Oder Friedhelm Kändler, Cora Frost, Annett Louisan.
Bei ihnen und vielen anderen Zeitgenossen bedient sich die Chanson-Nette im Verlauf ihrer musikalischen Comedy-Flucht ,Neustadt, Du, ick komme!´

Natürlich gerät ihr Versuch, der hektischen Hauptstadt den Rücken zu kehren, zu einer Liebeserklärung – ironisch gebrochen, kabarettoid und streckenweise ausgesprochen deftig.
Dabei darf auch Pianistin Angela Stoll mal mächtig komisch ausflippen.

Der finale Songtext stammt vom Regisseur des Stücks, Kai S. Pieck, der mit dem Film
,Ein Leben lang kurze Hosen tragen´ Furore machte: ,Don´t Rain On Parade´ aus ,Funny Girl´
wird zu ,Ick komm´ jetzt zurück in meen Berlin.´ Na, jottseidank!”

NORBERT TEFELSKI  in seiner Kolumne ,,DRAHTSEILakt”
in Ticket, der Programmbeilage des Tagesspiegels
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,,Chanson-Nette entzündet ein Feuerwerk mit Worten . . . über Männer und Miniermotten,
Sehnsüchte und Peinlichkeiten - und das alles mit feinster Berliner Schnauze . . .Das hat Kraft, das Publikum tobt.”

MARIA NEUENDORFF
Märkische Oderzeitung (MOZ)



Radiofeature zu Chanson-Nettes Theaterstück ,,Mut und Schnauze - die Wasserminna vom Zirkus Busch” in Nottke´s das Kieztheater

„Der Schauspielerin Jeannette Urzendowsky gelingt es, die Minna
überzeugend und ausgesprochen lebendig auf die Bühne zu bringen.
Temperamentvoll nimmt sie die Zuschauer auf eine Zeitreise mit;
voller Begeisterung für die Figur, um die es geht.”

Kulturradio vom RBB



Pressestimme zum Revuetheater ,,Nette Renee”:

,,So glamourös eine Revue auch ist. Hinter der Bühne müssen die Hosen runtergelassen werden.
Und wenn sich dann eine Diva und eine Berliner Kodderschnauze eine Garderobe teilen müssen, dann kann das nur im Desaster enden . . .  Gekonnt stolzieren, wanken, schleichen und lachen sich die beiden durch die Klassiker des Chansons und präsentieren neue Lieder, die Regisseurin Dagmar Bedbur ihnen auf den Leib geschrieben hat.”

Die Siegessäule, Berlin


Pressestimmen von zwei Tournee durchs Rhein-Main-Gebiet:

,Sie verkörpert mit ihrem frechen Kurzhaarschnitt und dem blauen Kostüm genau den Frauentyp, der auf der Suche nach dem Glück und dem richtigen Mann ist.  . . . Auf den Punkt genau präsentiert sie die Pointe, mal nachdenklich leise, mal schnodderig und frech."

INGRID HILGERS
Frankfurter Neue Presse


,,Mit ihrer Intensität, ihrer Stimme, ihrem Ausdruck und ihrem Charme sang und spielte sie sich ins Herz des Publikums . . . Das nüchterne Mädchen" - eine grandiose schauspielerische Leistung.”

BERND BAUER
Main-Echo, Aschaffenburg


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,Zusammen mit ihrer Pianistin Angela Stoll brachte sie ein Programm auf die Bretter, das man in dieser Dichte und dem rasanten Ablauf nicht allzu oft erlebt. Chanson-Nette kostet die volle Skala gesanglicher und mimischer Ausdrucksformen aus bis zur Neige. Von der ländlichen Unschuld bis zur lasziven Mondänen reicht das Repertoire”

WILHELM GROSSBACH
Magazin ,,Alt-Höchst” der Bürgervereinigung Höchster Altstadt


,, . . . gut zwei Stunden unterhielt sie ihr Publikum aufs Beste, mit Temperament, viel Einfühlungsvermögen und erstaunlich wandlungsfähig. Die Mimik und Gestik der nach Abenteuern suchenden Dame hat sie genauso drauf wie die der 13 Jahre alten Göre . . . Sie himmelt die Herren im Saal an, verteilt Küsschen auf die Glatze oder aber nutzt sie als Ziel für Hut und Schal . . .Das Publikum ließ Chanson-Nette und Angela Stoll nach dieser einfühlsamen Zeitreise ins Berlin der Zwanziger Jahre nicht ohne mehrere Zugaben von der Bühen gehen.”

NADINE RIEPE
Frankfurter Neue Presse



Pressestimmen zur Tournee durch Namibia (Südwestafrika) vom 27.01 bis 10.02.06
im Trio mit Schauspieler Bernd Ludwig und Pianistin Angela Stoll


Chanson-Nette-Berlin-2     
Das Plakat
      zur Namibia-Tournee

 „Das Cabaret-Ensemble bot Unterhaltung vom
Feinsten . . . Die Gratwanderung zwischen leichtem        tiefschwarzem Humor, zwischen anzüglichen Liedern und wirklich betroffen machenden Texten beherrscht das Trio perfekt . . . “

,,Die Chanson-Nette ist zudem unglaublich wandlungsfähigAls freche Berliner Göre bringt sie mit ihrem Team die „roaring twenties“ so nahe, das Windhoek plötzlich auch zum Kiez zu werden scheint und sich die eine oder andere brave Farmersfrau wohl gefragt haben wird, ob sie wirklich so ,verflixt und zugenäht’ sein will . . Wer’s verpasst hat, selbst schuld.“

IRMGARD SCHREIBER
Allgemeine Zeitung Windhoek (AZ)




„Jeannette Urzendowsky, das kleine Dynamitpäckchen mit knallrotem Haar, mimte gekonnt Gören, Skandalnudeln, Püppchen, Kuschelkätzchen, Unschuldsengel . . . Bernd Ludwig beeindruckte mit seiner Sprachgewandtheit . . . Einfühlsam begleitet wurde das spritzig-witzige Duo von Angela Stoll am Piano.“

Namib Times




Berichte zu Auftritten in Brandenburg:

,,Chanson-Nette hatte keine Mühe, ihr Publikum in kürzester Zeit in ihren Bann zu ziehen und bis zum Schluss dort zu behalten . . . Sie spielt nicht nur, sie lebt jede einzelne Rolle ihres Programms . . . Die stimmliche Bandbreite dieses Temperamentsbündels reicht von sanft und lieb bis schrill und frech. . . Ihre gespielten Texte kommen genauso authentisch rüber wie ihre musikalischen Hörgenüsse . . .
,Ich hab mein Herz an die Kleinkunst verloren´, verrät Jeannette Urzendowsky. Der anhaltende Applaus und die geforderten zwei Zugaben haben es gezeigt: Am Samstagabend hat sie dafür sehr viele neue Fans gewonnen.” (
4. März 2006 in der Siechenhauskapelle Neuruppin)

PETRA GRÄBEL
Ruppiner Anzeiger


,,Die Chanson-Nett will umgarnen
, verwickeln, einspinnen. Sie setzt sich auf Männerschöße, befreit sich laslasziv von Netzhandschuhen. Was der Zuhörer auffängt, ist nicht nur die Kleidung der netten Chanson-Nette, ihre Lust und ihre Liebe schleudert sie ebenso durch die Luft. Sie juchzt, schreit, flüstert verrucht . . .
Unheimlich charmant zieht sie die Berliner Schnauze durch den Kakao, weil sie selbst durch und durch Berlinerin ist. Sie liebt den Menschenschlag von ganzem Herzen . . . Die Melodie zum aktuellen Chanson ,Zapper´ hat ihre Pianistin Angela Stoll selbst geschrieben. Die Klavierbässe wummern nervös. Die Jazzmelodien flimmern. Die Sängerin dreht durch. ,Ick glaub´, ick muss bald in die Klapse´ . . . Chanson-Nette greift sich das Publikum, die Frauen, die Männer. Jeder ist dran.
 Zum Glück gibt es das Lied vom Glück. Chanson-Nette singt es und versöhnt mit kindlichem Charme: ,Irgendwo auf der Welt gibt es ein kleines bisschen Glück.” (
4. März 2006 in der Siechenhauskapelle Neuruppin)

JULIANE FELSCH
Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ)


,,Herausragend die schauspielerische Leistung von Jeannette Urzendowsky . . .Sie wirbelt über die Bühne, singt für ihr Publikum und spielt mit ihm. Mal frech, mal ironisch, mal leise, aber immer glaubwürdig und charmant.” (13. Mai 2006 auf der Burg Beeskow)

CORNELIA BISCHOF
Märkische Oderzeitung (MOZ)


,,Eine Show mit verblüffender Leichtigkeit und wunderbarem Schwung . . mit viel Witz, einer echten hauptstädtischen Schnauze und bezaubernden Stimme zog Chanson-Nette ihre Zuhörer in Bann.”
(21. Oktober 2006 im Kulturcafé Constance in Wustrau/Alt-Friesack am Ruppiner See).

JUDITH VOIGT
Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ)


,,Chanson-Nette zauberte ein dauerhaftes Schmunzeln auf die Gesichter. Der unaufhörliche Applaus signalisierte - das Publikum wollte immer wieder eine neue Seite des Duos kennenlernen . . .Pianistin Angela Stoll brachte mit locker-leichten Klängen den Zeitgeist der Zwanziger Jahre zurück.” (17. Februar 07 im Kulturgutshaus Köpernitz bei Rheinsberg)

EVELYN SCHETTERER
Ruppiner Anzeiger


“Die Wünsche und auch die Verzweiflung der einfachen Mädchen aus dem Hinterhausmilieu bringt sie so glaubwürdig rüber, dass man sie in den Arm nehmen möchte und trösten. Es ist eigentlich unglaublich, dass die Autoren dieser Lieder die kleine Chanson-Nette nicht gekannt haben können.” (17. Februar 07 im Kulturgutshaus Köpernitz bei Rheinsberg)

CORNELIA FELSCH
Märkische Allgemeine (MAZ)



Hier einige Berichte im Wortlaut:


DER TAGESSPIEGEL

Die Chanso-Nette ist da
Jeannette Urzendowskys  Leidenschaft sind die frechen Lieder
aus den Zwanzigern, mit denen sie die Berliner Cafés erobert

VON LOTHAR HEINKE

“Mensch Puppchen” nennt sie ihr Programm - ohne Komma zwischen den Worten. Also, gemeint ist: Puppchen - du Mensch. Du Mädel mit der Schlagfertigkeit eines Berliner Herzens, gesegnet mit realer Romantik, Jöre  mit det jewisse jehörije Jefühl. Ist das Original-Idiom  eigentlich ausgestorben oder versickert in der auswärtigen Lautmalerei der zugezogenen Rucksack-Berliner? “Puppchen, du bist mein Augenstern, Puppchen, hab dich zum Fressen gern”, sangen Oma und Opa, und wenn man Jeannette Urzendowsky hört und sieht, ahnt man, was sie sich vielleicht darunter vorgestellt haben.

Nette - so die Berliner Koseform der hugenottischen Johanna - ist mit ihrem roten Strubbelhaar, den großen Augen, die ernste und heitere Geschichten miterzählen, und dem frechen breiten Mund so etwas wie “Mutterns Beste”: Friedrichshain, Schöneberg und Prenzlauer Berg in einem. Als wollte sie sagen: kiek ma, wir sind nämlich ooch noch da.

Jeannette Urzendowsky singt Berliner Lieder. Mit ihrem Programm “Mensch Puppchen” gastiert die Chansonette mit Angela Stoll oder Stefanie Rediske am Piano und Schauspieler Bernd Ludwig oder Burkhard Schwerbrock als Sprecher in Cafés, Salons und auf Kleinkunstbühnen. Das spricht sch schnell herum, dass da eine kleine Person mit großer Röhre die schönen alten, mal lauten, mal besinnlich-romantischen und irgendwie unsterblichen Lied-Geschichten von Mädchen und Frauen im Berlin der 20er Jahre zurückholt und neu durchlebt.

Jeannette Urzendowsky hat die Gabe, “mit Schisslaweng und Schnettereteng” zu beweisen, dass die Macht der Gefühle in den Liedtexten von Tucholsky, Hollaender oder Wiener ungebrochen und aktuell geblieben ist durch die Jahrzehnte.

Sie nimmt das, was sie da singt, ernst - und lässt doch immer wieder die Ironie durchklingen. O Mond, kieke man nich so doof, wenn ick abends nach Hause loof! Die Chansonnette ist: feine Dame, kesse Biene, Kuschelkätzchen, freches Luder. Natürlich geht es wieder wider die Kerle, “dieses Stückchen Unjemach”. Emil ist dabei und seine unanständge Lust, Nowak, der sie nicht verkommen lässt. Jeder kriegt sein Fett weg - und jeder wird irgendwie geliebt. Plötzlich ist diese Art musikalischer Denkmalpflege frisch. Gefühle altern nicht.

Das Interessante dabei:Der neue Stern am Himmel des Berliner Chanson kommt aus ganz anderen Gefilden. Jeannette Urzendowsky guckt eigentlich den Patienten ihrer Neuköllner Praxis in Hals, Nasen und Ohren. Das hat sie studiert. Aber nun stellt sich heraus, dass die Gene ihrer künstlerischen Leidenschaft kräftiger sind. Schon in der zweiten Klasse in Friedrichshain wird ihre Stimmbegabung entdeckt. Hans Naumilkat holt sie in seinen Rundfunk-Kinderchor, bis zum Abitur lernt sie auf der Händel-Oberschule, einer Spezialschule für Musik, und singt im Konzertchor. “Die Musik hat mich berührt und nicht mehr losgelassen”, sagt sie. “Als ich 14,15 war, bin ich den Liedern von Claire Waldoff, Zarah Leander, Marlene Dietrich und Edith Piaf verfallen - das war wie Parfüm und hatte etwas Mondänes.” Vater aber wollte, dass wenigstens eines der fünf Kinder sein Medizin-Fach studiert.
Plötzlich, 1993, beginnt Nette, Gassenhauer und Chansons zu sammeln, was schon verdächtig ist, “dann platzt die Bombe”: Neben der HNO-Praxis beginnt die Ausbildung zur Gesang- und Schauspiel-Praxis, “zehn Prozent sind Talent, der Rest ist harte Arbeit.”

Die Chanso-Nette möchte sich eines Tages ganz der großen Kleinkunst hingeben. Wer das Temperamentsbündel mit Herz und Gefühl auf Berliner Brettern trifft, darf sicher sein, dass er dem Besonderen begegnet: “Alle Welt will Comedy und Entertainment - und ick komm mit den zwanziger Jahren.” Genau das ist es . . .



 BERLINER ÄRZTE


Man will doch wat fürs Herze ham
Die Chanso-Nette aus der HNO-Praxis

VON ROSEMARIE STEIN

Da steht ne Kleene mit feuerrotem Stoppelkopp auf den Brettern, die die (Kleinkunst-)Welt bedeuten, und singt Chansons aus den Roaring Twenties - und wie! Genau die richtige Mischung von rotzfrech und sentimental: “O Mond, kieke man nich so doof,/wenn ick abends nach Hause loof . . .” Sie trägt ein Kleines Schwarzes mit angekraustem Röckchen und Rosentuff am Ausschnitt. Friedrich Hollaender, Rudolf Nelson, Kurt Tucholsky und die anderen hätten ihre Freude dran, wie sie die fast vergessenen Lieder wiederbelebt.

Sie spielt die Berliner Jöre nicht, sie ist eine, wie sie da ihre Puppe im Arm hält (selber Puppchen) und als Mignon vom Kiez ihrer Sehnsucht nach wat Schönem Ausdruck gibt: “man will doch wat fürs Herze ham”. Die Chanson-Nette (eigentlich Jeannette Urzendowsky) ist noch ein Geheimtipp. Aber ihre Abende sind immer ausverkauft, und die Leute sind hin und weg. Bald werden vielleicht die Kongressveranstalter nach ihr Schlange stehen, fürs Rahmenprogramm; ausgenommen die Schönheitschirurgen: “Ich lasse keen Dokter ran an meine Brust/Wejen Emil seine unanständje Lust!”

Ihr Programm heißt “Mensch Puppchen” - Chansons und Geschichten von Mädchen und Frauen im Berlin der 20er Jahre”. Den roten Faden spann sie zusammen mit dem Schauspieler Bernd Ludwig, der zwischen den (von Angela Stoll am Klavier begleiteten) Liedern wunderbar dazu passende Texte von Erich Kästner und Irmgard Keun vorträgt.

Nach der Pause ist die Jöre erwachsen geworden. Mit blau blitzenden Augen, einer Mimik zwischen Lachen und Weinen, zwischen authentisch berlinernder Kodderschnauze und Kussmund ist sie die in Konvention eingeschweißte Gattin mit Aussbruchssehnsucht oder auch der Möchtegern-Vamp - und zum Schluss dann die Verlassene: “Wer hat die Puppe put gemacht?”

Im Jahr des Mauerbaus in Friedrichshain geboren, wuchs Jaennette mit vier Geschwistern in einer “medizinischen” Familie auf: Vater HNO-Arzt an der Charité,Mutter Anästhesieschwester. Zugleich aber wurde sie musikalisch sozialisiert: Schon mit acht fiel ihre Stimme auf, sie sang im Rundfunk-Kinderchor und erhielt in der musikbetonten Händel-Oberschule eine solide musikalische Grundausbildung. Ihr Ziel, die Oper, war aber unerreichbar, dazu fehlte dem Antityp einer Wagner-Walküre Stimmvolumen und Resonanz-Körper.

So trat sie in die fachlichen Fußstapfen des Vaters und ließ sich nach Medizinstudium und Weiterbildung 1993 als HNO-Ärztin nieder. Um dem Patienten als Person gerecht zu werden (Tinnitus, Hörsturz) erwarb sie auch noch die Zusatzbezeichnung Psychotherapie. Die Neuköllner Praxis florierte trotz wenig attraktiven Umfeldes von Anfang an.

Dann wurde die Ärztin selbst schwer krank. da war ihre Tochter gerade acht Monate alt. Ein jahr lang hatte sie zu Hause Zeit zum Nachdenken und beschloss, sich allmählich von der Medizin abzunabeln. Schauspiel-, Gesang- und Tanzunterricht hatte sie schon seit Anfang der 90er Jahre genommen. Auch in privaten Berliner Salons sang sie des öfteren. Im Mai 2003 trat sie zum ersten Mal öffentlich auf - und inzwischen rund zwei Mal pro Woche. Noch führt sie ein anstrengendes berufliches Doppelleben zwischen Medizin und Musik. Aber sie kann ihre Patienten nicht einfach im Stich lassen und sucht jetzt jemand, der die Praxis übernimmt. Dann will die Chanson-Nette nur noch singen.



MAIN POST ASCHAFFENBURG vom 21. November 05


Göre, Luder, feine Dame
Jeannette Urzendowsky sang in der Maingauhalle

VON BERND BAUER

Bei Chanson denkt man sofort an Edith Piaf, Jacques Brel oder Charles Aznavour, seit Samstagabend auch gerne an Jeannette Urzendowsky, denn mit ihrer Intensität, ihrer Stimme, ihrem Ausdruck und ihrem Charme sang und spielte sie sich in die Erinnerung des Publikums. Berliner Geschichten und Lieder brauchen den schnodderigen Original-Ton, und den hat die in Berlin-Friedrichshain geborene Künstlerin. Im Foyer der Maingauhalle, am Klavier begleitet von Angela Stoll, stellt sie sich im 20-er-Jahre Kostümchen mit Hut und Schnürpumps vors Publikum, erzählt entrüstet vom Sohn der Nachbarin, der ,,in Damen macht”, sich als Call-Boy anbietet. Hat sie das nötig? Nein! Sie hat ihren Emil, den Nowak, den Ferdinand und den Nowotny, von dem sie zwar drei Kinder hat, ihn aber noch immer nicht leiden kann.

Diese Lieder trägt sie so wandlungsfähig vor, dass man ihr die freche Göre,das Luder, die feine Dame glaubt.Sie singt für und spielt mit dem Publikum, sie verbindet mt der Call-Boy-Geschichte so unterschiedliche Autoren wie Carl Ulrich Blecher (,,Ich will keine Schokolade”), Peer Günther (,,Emil seine Hände”), Kurt Tucholsky (,,Mir ist heut so nach Tamerlan”) und Erich Kästner (,,Entwicklung der Menschheit”).

Mit ,,Zapper (Text: Jörg Reckmann) verlässt die 44-Jährige, die im bürgerlichen Beruf auch Ärztin ist, die Zwanziger Jahre, zeigt, dass sie auch tanzen kann und gibt der Pianistin, die die Musik dazu geschrieben hat, Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Angela Stoll, die eine aufmerksame und zuverlässige Begleiterin gibt, beweist, dass sie auch die jazzigen Töne beherrscht.

Die äußerliche Wandlung zum Vamp vollzieht Jeannette Urzendowsky auch problemlos in ihren Liedern. ,,Die hysterische Ziege”, ,,Sexappeal” von Friedrich Hollaender, ,,Mondän” von Robert Katscher trägt sie ebenso glaubwürdig vor, wie sie bei ,,wegen Emil seiner unanständgen Lust” (Musik Paul Strasser, Text: Julius Arendt) ihn und das begeisterte Publikum davon überzeugt, dass sie sich nicht seinetwegen einer Schönheitsoperation unterzieht.

Die grandiose schauspielerische Leistung bei ,,Das nüchterne Mädchen”  (Text und Musik Oscar Strauss) bestätigt sie auch in ihrem letzten Lied,,Marineblau” (Text Robert Gilbert, Musik Werner Richard Heymann)


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